LandFrauen wollen mehr Frauen in Führung
Rund 1600 Gäste erlebten ein vielfältiges Programm mit Vortrag, Diskussion und Showeinlagen
"Mehr Frauen in die Führungsetagen" lautete die zentrale Forderung des Landfrauentags 2011 in den Holstenhallen Neumünster. „Der demographische Wandel und die aktuellen Zahlen zum drohenden Fachkräftemangel geben das Ziel vor", betonte Marga Trede, Präsidentin des LFV. Es gehe nicht nur um die wenigen Posten in den Dax-Unternehmen, sondern um Frauen-Mitsprache überall dort, wo Entscheidungen gefällt werden, in Ausschüssen und Gremien, in den Kommunen, im Beruf, beim alltäglichen Sich-Durchsetzen. Passend zum Thema des Schleswig-Holsteinischen LandFrauentags hat der Bundesverband (dlv) mit weiteren Frauenverbänden eine E-Mail-Petition an den Bundestag verfasst, die eine gesetzlich verankerte Frauenquote für Aufsichtsräte zum Ziel hat. Marga Trede appelliert an die schleswig-holsteinischen Landfrauen, sich an dieser überparteilichen Gesetzesinitiative zu beteiligen.
Nach ihrem Vortrag über die „Vielfalt in der Führungskräfteentwicklung“ diskutierte Margret Suckale zusammen mit Gleichstellungsminister Emil Schmalfuß und der Kommunikationsexpertin Claudia Ludwig aus Hamburg das Thema Frau geht in Führung! Aber wie?. Dazu wurden Statements von öffentlichen und prominenten Menschen aus Schleswig-Holstein und anderswo in das Gespräch einbezogen. "Frauen, die stark und qualifiziert sind, brauchen keine Förderung - das ist für mich ein Widerspruch", sagte Claudia Ludwig. Auch Margret Suckale sprach sich gegen die Quote aus. Es sei meist ein langer Weg in den Vorstand. Diese Zeit müsse man den Frauen auch geben. Wichtig sei, dass die Unternehmen Frauen und Männer effektiv unterstützen, auch leitende Positionen und Familie vereinbaren zu können - und das in jeder Phase. "Früher hatte sich die Sache erledigt, wenn eine Frau vor dem Antritt einer Führungsposition schwanger wurde. Heute fragen wir: Wo ist das Problem?" Auch für Emil Schmalfuß wäre eine Quote nur das allerletzte Mittel für eine Frauenförderung. "Künftig werden viele Frauen in Führungspositionen gefragt sein. Ich kann aber die verstehen, denen es bis heute zu langsam geht", sagt der Gleichstellungsminister. Unterstützt in ihrer Forderung nach mehr Führung werden die LandFrauen von Frauen wie Uta Fölster, Präsidentin des Oberlandesgerichts in Schleswig: "Frauen machen die Hälfte der Menschheit aus und sind gleichzeitig die Mütter der anderen Hälfte - eine kaum zu toppende Legitimation des Anspruchs auf gleichberechtigte Teilhabe."
Mit ihrem Wunsch nach mehr Medienpräsenz für Frauenthemen sprach Claudia Ludwig den LandFrauen aus dem Herzen. Ein großer Schritt in diese Richtung war das einjährige Medienprojekt "Land.Leben.Zukunft" des Landfrauenverband und des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages (sh:z), das in Neumünster mit Zufriedenheit aller Beteiligten abgeschlossen wurde. Der sh:z stellte monatlich auf mehreren Journalseiten viele ambitionierte LandFrauen, ihre Projekte und Verbände vor. Begeistert von dieser Plattform zeigt sich die Schirmherrin, Landwirtschaftsministerin Dr. Juliane Rumpf. "Das Projekt hat gezeigt, wie weit das Tätigkeitsspektrum der Landfrauen ist, bei wie vielen Projekten sie mit anpacken, mit wie vielen kritischen und aktuellen Fragen sie sich auseinander setzen." Stephan Richter, Chefredakteur des sh:z, bewertete das Projekt als Gewinn für alle Seiten. Die Landfrauen seien ein bedeutendes Stück Heimatmacher - und das ist eine ganz wichtige Führungsposition", lobte Richter - und versprach, dass "Land.Leben.Zukunft" nicht die letzte Liaison zwischen den LandFrauen und dem sh:z gewesen ist.
LandFrauen sind aktiv, aufgeschlossen, ambitioniert und - umwerfend. Das haben die „Jungen LandFrauen“ in Neumünster im wahrsten Sinne des Wortes bewiesen. Symbolisch konnten die Gäste dort in Halle 2 Vorurteile und Benachteiligungen, die Frauen betreffen, „über den Haufen“ werfen. Mit Bällen wurde auf Kartons gezielt, auf denen diese Missstände in Worte gefasst waren. Für das Unterhaltungsprogramm sorgen Darbietungen der vier Sängerinnen der Musicalgruppe „Buernhuus Fockbek“, die mit Schlagern der 50er und 60er Jahre das Publikum zum Mitklatschen motivierten. Hanne Pries, Sängerin der Coverband Tiffany aus Kiel, eroberte mit ihren musikalischen platt- und hochdeutschen Einlagen die Herzen der LandFrauen im Sturm.
Die Patenschaft für den LandFrauenTag 2011 hatte der Kreisverband Rendsburg-Eckernförde übernommen, der sich in Halle 2 an vielen Ständen präsentierte, für eine wunderhübsche Bühnendekoration gesorgt und edle Lesezeichen als Give aways gebastelt hatte. Drei dieser Lesezeichen waren Gewinnerlose und machten drei LandFrauen glücklich, die Gutscheine über eine Woche im Wohnmobil, eine Gütertour per Kutschfahrt oder einen Käse-Präsentkorb mit nach Hause nehmen durften.
Anke Pipke, 11. Mai 2011

